Über Ludwigsburger Schlossfestspiele

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//Junge Klänge | Deutscher Musikwettbewerb: Die Gewinner stehen fest

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Der Juryvorsitzende Siegfried Mauser kurz vor Bekanntgabe der Gewinner. © Florian Zeuner

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: der Juryvorsitzende Siegfried Mauser kurz vor Bekanntgabe der Gewinner.
© Florian Zeuner

Die Würfel sind gefallen, heißt es im Volksmund. Doch in diesem Fall wäre eine solche Behauptung falsch. Schließlich war es nicht der Zufall, der über die Gewinner des 40. Deutschen Musikwettbewerbs entschieden hat, sondern eine 29-köpfige Gesamtjury. Als deren Vorsitzender Siegfried Mauser, designierter Rektor des Mozarteum in Salzburg, am Donnerstag um 22 Uhr vor das Mikrofon trat, zeichnete sich die Spannung wie bei den vorangegangenen Urteilsverkündungen deutlich in den Gesichtern der jungen Künstler ab. Doch auch ein bisschen Erleichterung konnte man sehen. Erleichterung darüber, die beiden kräftezehrenden Wochen so erfolgreich überstanden zu haben – ganz unabhängig vom Endresultat. Das wiederum war dann eine kleine Überraschung. Nur ein einziger Preis wurde 2014 vergeben. Den erhielt der 1991 geborene Pianist Frank Dupree aus Rastatt, der bereits im Jahr 2007 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen auf der Bühne stand. Er tritt damit in die Fußstapfen von ehemaligen Preisträgern wie Maximilian Hornung, der am 29. Mai zusammen mit Igor Levit & Friends zu hören ist, sowie Wolfgang Bauer und Christian Schmitt, die das Festkonzert 30 Jahre Ludwigsburger Blechbläserquintett am 10. Juli musikalisch unterstützen.

Vielleicht als eine Art Ausgleich für die karge Preisausbeute gab es eine stattliche Anzahl an Stipendiaten. Drei Flötisten, ein Oboist, zwei Hornisten, eine Posaunistin, zwei Pianisten, ein Vokalensemble, ein Blockflötenensemble sowie ein Klarinettentrio wurden ausgezeichnet und zählen damit ebenfalls zu den Gewinnern des Abends. So versammelte sich auf der Bühne doch noch eine erkleckliche Zahl an Musikern zum Gruppenfoto und reihum waren viele glückliche Gesichter zu sehen.

Die Gewinner stellen sich fürs Gruppenfoto auf. © Florian Zeuner

Die Gewinner stellen sich fürs Gruppenfoto auf.
© Florian Zeuner

Nun konnte ganz entspannt zum gemütlichen Teil des Abends übergegangen werden, wobei für die Gewinner zunächst noch einige Pflichten zu erledigen waren. Journalisten mit Mikrofonen verlangten nach Interviews, die Abläufe für die Preisträgerkonzerte mussten besprochen und Fototermine koordiniert werden. Und dann war ich ja auch noch da, um bei den Künstlern wegen eines möglichen Auftritts beim Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli vorzufühlen. Soviel sei zu diesem Zeitpunkt gesagt: Die Rückmeldungen sind durchweg positiv und den Ludwigsburger Schlossfestspielen steht ein mitreißender musikalischer Abend bevor. Besetzung und Programm werden in naher Zukunft hier auf dem Blog bekannt gegeben.

Hier gibt es die Gewinnerliste en detail zum Download.

//Junge Klänge | Vom Deutschen Musikwettbewerb nach Ludwigsburg

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

Bevor nun die Entscheidung getroffen wird, wer zu den diesjährigen Preisträgern und Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs gehört, möchte ich den langen Weg nachzeichnen, den die jungen Musiker zurücklegen müssen, bevor sie beim Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli in Ludwigsburg bei den Schlossfestspielen auftreten können.

Der erste Schritt ist die Bewerbung für den Deutschen Musikwettbewerb. Dafür muss man unter 28 Jahren sein, eine musikalische Ausbildung haben, deutscher Staatsbürger sein oder zumindest in Deutschland leben und eines der Instrumente spielen, die dem dreijährigen Turnus gemäß gerade auf dem Programm stehen. Außerdem gibt es noch verschiedene Ensemblekategorien. Aus einem Werkkatalog gilt es nun, sich Wettbewerbsstücke auszusuchen und diese vorzubereiten. Das Üben beginnt.

Die Zeit bis zum Wettbewerb vergeht dann meistens viel zu schnell und der große Tag ist da. Alle, die sich angemeldet haben, dürfen sich im 1. Durchgang präsentieren. Dann wird ausgesiebt, in jeder Runde ein bisschen mehr. Jeder, der den 3. Durchgang erfolgreich abschließt, ist automatisch Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs. Bei den Ensembles werden hier auch gleich die Preise vergeben. Die Solisten müssen dagegen bei entsprechender Wertung noch einen 4. Durchgang bewältigen. Ob und wie viele Preisträger und Stipendiaten es gibt, ist nicht festgelegt. Theoretisch könnte es also auch gar keine Gewinner geben. Aber nicht nur meine Eindrücke, sondern auch die der Jury zeigen, dass das nicht geschehen wird. Dank eines ausgezeichneten Jahrgangs 2014 steht dem Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen nichts mehr im Wege. Nur die Künstler müssen dazu noch ausgewählt werden.

Auf dem Deutschen Musikwettbewerb weht ein frischer Wind. © Florian Zeuner

Auf dem Deutschen Musikwettbewerb weht ein frischer Wind.
© Florian Zeuner

Heute und morgen stehen die finalen Durchgänge des Deutschen Musikwettbewerbs auf dem Programm und ich werde auf dem Blog direkt aus Bonn darüber berichten.

//Junge Klänge | Die Urteilsverkündung

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

Noch ist niemand von der Jury zu sehen. © Florian Zeuner

Noch ist niemand von der Jury zu sehen.
© Florian Zeuner

Herrscht während des Deutschen Musikwettbewerbs im Foyer der Beethovenhalle eher eine ruhige und konzentrierte Atmosphäre, so ändert sich das nach den letzten Beiträgen des Tages. Plötzlich ist da ein Brummen und Summen. Alles ist voller junger Musiker, die sich angeregt unterhalten oder ganz lässig in Sesseln fläzen. Diese offen zur Schau getragene Lockerheit entpuppt sich aber schnell als Fassade. Nervös wird immer wieder auf den Mikrofonständer geschielt, hinter dem bald der Juryvorsitzende das Ergebnis bekannt geben muss. Ständig klingelt irgendein Handy, und es wird berichtet, wie es denn so gelaufen ist. Und immer wieder kommt die gleiche Antwort auf die gleiche Frage: Nein, noch gibt es keine Entscheidung, aber lange kann es nicht mehr dauern. Einige der Teilnehmer tun sich dieses Warten erst gar nicht an und bleiben der Urteilsverkündung gleich ganz fern. Sie warten zu Hause vor dem Telefon. Die Spannung steigt von Minute zu Minute und man fühlt sich immer mehr wie in einem Gerichtssaal, in dem bald über Leben und Tod entschieden wird. Doch bevor der Siedepunkt erreicht ist, tritt endlich der Juryvorsitzende an das Mikrofon. Jetzt geht alles ganz schnell. Die Namen derjenigen, die weitergekommen sind, werden verlesen, das Programm für die nächste Runde kann erfragt werden und die Musiker bekommen die Möglichkeit auf ein Gespräch mit der Jury. Die gerade noch in trauter Eintracht versammelte Gruppe löst sich in wenigen Momenten auf. Manche sind einen Schritt weiter in Richtung Finale und damit auch dem Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Die anderen müssen leider die Segel streichen. Die Regeln des Wettbewerbs sind unerbittlich.

//Junge Klänge | Mein erstes Mal: Florian besucht den Deutschen Musikwettbewerb

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

Bei Spiegel Online gibt es eine Artikelserie, in der junge Menschen von etwas berichten, das sie zum ersten Mal in ihrem Leben getan haben, ganz egal ob Skispringen, Schauspielern oder Debattieren. Da würde dieser Text ganz gut dazupassen. Aber nichts da, ich schreibe weiterhin exklusiv für den Blog der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Die Spiegel-Redakteure würden wahrscheinlich sowieso den Erlebnisbericht eines Musikers bevorzugen, anstatt die Ausführungen eines Dramaturgen zu veröffentlichen, dessen musikalische Wettbewerbseinstimmung eine Gruppe grölender Frauen eines Junggesellinnenabschieds im Zug nach Bonn war. Da haben die jungen Virtuosen in der Beethovenhalle weitaus mehr zu bieten – aber jeder auf seine ganz eigene Weise.

Zum Beispiel ist da die schwarz gewandete Frau, die am Instrument ganz entgegen ihrer Kleidung federleicht die gesamte klangliche Farbpalette aufzufächern vermag. Oder der scheinbar brave Bubi, der sich unvermittelt als musikalischer Draufgänger entpuppt, in den entscheidenden Momenten aber auch den nötigen emotionalen Tiefgang nicht vermissen lässt. Und nicht zuletzt der verwegen daherkommende Bohemien, der neben seiner urgewaltigen Wildheit auch mal ganz kontemplativ die Seele baumeln lassen kann, wenn es das Stück erfordert. Alle sind hervorragende Musiker und Interpreten, das lässt sich unter anderem ganz leicht an der atemlosen Stille des Publikums in den Pausen zwischen den einzelnen Sätzen ablesen. Ob einer von ihnen auch für das Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli bei den Schlossfestspielen infrage kommt, muss der weitere Verlauf des Wettbewerbs aber erst noch zeigen.

Große Bühne für große Musiker © Florian Zeuner

Große Bühne für große Musiker
© Florian Zeuner

All jenen, die sich an dieser Stelle immer noch dafür interessieren, wie sich dieses erste Mal für den Dramaturgen denn nun so angefühlt hat, sei gesagt: In dem Moment, als ich die Beethovenhalle betrat, stellte sich unmittelbar wieder dieses beklemmende Gefühl aus Aufregung und Angst ein, das ich noch gut aus meinen »Jugend musiziert«-Tagen kenne. Zum Glück durfte ich ganz anonym im Publikum Platz nehmen und konnte anderen das Rampenlicht überlassen.

//Junge Klänge | Aufbruch in die heiße Phase

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

Die Luft wird immer dünner. Nachdem die ersten Runden beim deutschen Musikwettbewerb in Bonn absolviert wurden, geht es am Wochenende nun langsam in die heiße Phase. Für die diesjährigen Soloinstrumente Flöte, Oboe, Horn, Posaune und Harfe steht am Sonntag bereits der letzte Durchgang vor den Orchesterfinals auf dem Programm. Das Klavier folgt am Tag darauf. Höchste Zeit also, sich auch persönlich ein Bild von den aufstrebenden Musikern zu machen. Denn es ist die letzte Möglichkeit, die zukünftigen Preisträger ohne ein schützendes Orchester als reine Kammermusiker zu erleben. Genau in der intensiven und intimen Weise also, wie sie sich auch beim Konzert »Junge Klänge« am 18. Juli im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele präsentieren werden.

Ich bin schon äußerst gespannt darauf, was für musikalische Persönlichkeiten mir in den kommenden Tagen auf der Bühne begegnen werden: Sind es junge, hungrige Musiker, die sich einem Werk mit bedingungsloser Hingabe verschreiben, als ob es kein Morgen gäbe, oder treibt die Teilnehmer der beseelte Wunsch an, der Öffentlichkeit endlich ihr so aussichtsreiches Potential auf höchstem Niveau vorstellen zu dürfen? Wahrscheinlich ein bisschen von beidem und vieles mehr, von dem ich dann in meinem nächsten Blog-Beitrag berichten kann.

Eines der diesjährigen Soloinstrumente beim Deutschen Musikwettbewerb: die Posaune  © Deutscher Musikrat/Barbara Frommann

Eines der diesjährigen Soloinstrumente beim Deutschen Musikwettbewerb: die Posaune
© Deutscher Musikrat/Barbara Frommann

//Junge Klänge | Möge der Wettbewerb beginnen

von Florian Zeuner (Dramaturgie)

© Deutscher Musikwettbewerb / Michael Haring

© Deutscher Musikwettbewerb / Michael Haring

Nun ist es endlich soweit. Am heutigen Montag, den 24. März hat der mittlerweile 40. Deutsche Musikwettbewerb in Bonn begonnen. Und das ist auch für die Ludwigsburger Schlossfestspiele eine Sache von gehörigem Interesse. Denn aus den über 200 teilnehmenden Musikern kristallisieren sich im Laufe der nächsten zwei Wochen in mehreren Runden die Preisträger und Stipendiaten heraus, von denen die Herausragendsten, Innovativsten und Fesselndsten am 18. Juli beim Konzert »Junge Klänge« im Ordenssaal des Residenzschlosses zu hören sein werden.

Doch was ist eigentlich herausragend, was innovativ, was fesselnd? Was können junge aufstrebende Künstler besser als ihre etablierten Kollegen? Und was sind die Hürden, mit denen die Musiker auf ihrem Weg zum Preisträgerkonzert zu kämpfen haben? Antworten auf diese und weitere Fragen hoffe ich in den kommenden Tagen bei meinen Aufenthalten in Bonn zu bekommen. Und wer möchte, kann direkt dabei sein. Entweder persönlich vor Ort oder virtuell über unseren Blog, wo am Ende dann auch verkündet wird, welche Musiker bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg auf der Bühne stehen werden.

Paco de Lucía (1947 – 2014)

Paco de Lucía © Curro Sanchez

Paco de Lucía © Curro Sanchez

Es sollte sein letztes Konzert in Deutschland sein. Als Paco de Lucía vor einem Jahr bei den Schlossfestspielen auftrat, mussten keine großen Werbekonzepte geschmiedet werden, die Vorstellung verkaufte sich von selbst. Paco de Lucía war einer jener Künstler, für die das Wort »Star« zu kurz griff. Ohnehin sprachen seine Fans nur von »Paco« – Verwechslung ausgeschlossen. Man sprach von Paco, wie man auch von Miles sprach. Diese Vertraulichkeit war nicht unangemessen, sie markierte einfach die Nähe, die das Publikum zu dieser Musik entwickeln konnte und musste.

Paco de Lucía hat mit seiner Leidenschaft den Flamenco aus der Altersstarre des Machismo befreit. Das war seine Leistung: Paco hat den Flamenco kraftvoll in die Gegenwart befördert. Da war kein Make Up im Spiel – bei Paco de Lucía war alles, was er spielte, zwingend. Schon seine erste Single »Entre Dos Aguas« musste einfach so klingen, wie er es erdacht hatte. Alternativlos.

Nun ist dieser großartige Musiker im Alter von nur 66 Jahren in Mexiko gestorben. Er war eine Jahrhunderterscheinung wie Miles Davis, wie Astor Piazzolla oder auch Pete Seeger. Ein Musiker, der die Traditionen, die er atmete, schützte, in dem er sie belebte und immer wieder neu definierte. 2015 wollte er wieder nach Ludwigsburg kommen. Wir werden ihn sehr vermissen.

Thomas Wördehoff

Das Saisonprogramm 2014 ist erschienen!

Saisonprogramm 2014

Vom 15. Mai bis 30. Juli 2014 präsentieren die Ludwigsburger Schlossfestspiele neben Konzerten des festspieleigenen Orchesters und namhaften Kammermusikensembles, unter anderem Stars wie Philippe Jaroussky, Martha Argerich, Christine Schäfer, Bryn Terfel, Alan Stivell oder Buika. Im Eröffnungskonzert präsentiert sich der finnische Dirigent Pietari Inkinen, der ab 2015 das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele als neuer Chefdirigent leiten wird. Bevor Werke von Edward Elgar, Benjamin Britten und Jean Sibelius erklingen, hält Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert die diesjährige Eröffnungsrede. Des Weiteren sind auch das südafrikanische Jugendorchester MIAGI, das mehrfach ausgezeichnete Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg sowie Dhafer Youssef, Hüsnü Senlendirici und Zakir Hussain mit exklusiven Abenden in Ludwigsburg zu erleben. Im Fokus der diesjährigen Saison stehen die Kulturen Skandinaviens und Großbritanniens sowie deren keltische Einflüsse.

Auf unserer Website finden Sie Informationen zu allen Veranstaltungen und hier gibt es eine digitale Version des Programms Durchblättern.

Tickets sind an allen Easy Ticket-Vorverkaufsstellen, per Email, telefonisch unter der 07141.939 636 sowie unter www.schlossfestspiele.de (auch als print@home) erhältlich.

Am Samstag, den 22. Februar 2014, ist unser Kartenbüro in der Marstallstr. 5 in Ludwigsburg von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ausblicke 2014 veröffentlicht

Facebook_Titelbild_Ausblicke_neuDie »Ausblicke 2014« mit einigen ausgewählten Highlights der kommenden Spielzeit sind erschienen und der Vorverkauf hat begonnen.

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele 2014 finden vom 15. Mai bis 30. Juli statt. Neben Orchesterkonzerten der Schlossfestspiele werden Till Brönner, Rebekka Bakken, L’Arpeggiata und Philippe Jaroussky sowie Gautier Capuçon, Igor Levit und Mnozil Brass in Konzerten zu erleben sein. Das Ballett am Rhein präsentiert unter der Leitung von Martin Schläpfer den Tanzabend »b.16« und Israel Galván gastiert ein weiteres Mal mit dem Flamenco-Abend »Lo Real – Wahrheit« in Ludwigsburg.

Auf unserer Website finden Sie Informationen zu allen Veranstaltungen und hier gibt es eine digitale Version der Ausblicke zum Durchblättern.

Tickets sind an allen Easy Ticket-Vorverkaufsstellen, per Email, telefonisch unter der 07141.939 636 sowie unter www.schlossfestspiele.de (auch als print@home) erhältlich.

Am Samstag, den 9. November 2014, ist unser Kartenbüro in der Marstallstr. 5 in Ludwigsburg von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Let’s Dance!

von Lea Schadt (Undercover bei den Festspielen)

Leif F. Firnhaber mit Lea Schadt am Rande der »Puz/zle«-Vorstellung im Forum am Schlosspark

Leif F. Firnhaber mit Lea Schadt am Rande der »Puz/zle«-Vorstellung im Forum am Schlosspark

»Tanz ist gelebte Musik.« (Helga Schäferling)

Genau so ist es. Deswegen waren auch bei den diesjährigen Schlossfestspielen bereits verschiedene Tanzprojekte zu erleben, unter anderem »Puz/zle« unter der Leitung von Sidi Larbi Cherkaoui. Die Choreografie war, wie der Name schon sagt, ein Zusammenspiel vieler verschiedener Tänze. Wie bei einem Puzzle bildeten die verschiedenen Teile ein Ganzes. Allerdings fragte ich mich, wer so etwas tanzt. Was für Menschen sind bereit, sich auf so viele Tanzarten gleichzeitig einzulassen? Und überhaupt: Was bewegt einen Tänzer überhaupt dazu, Tänzer zu werden? Schließlich bedeutet Tanz nicht nur »gelebte Musik« und tosenden Applaus, sondern auch jede Menge Schweiß und Tränen. Ich habe beschlossen, zwei Tänzern mal genauer auf den Zahn, oder besser gesagt, die Zehen, zu fühlen. Und damit das Ganze hier ein wenig verallgemeinert werden kann, habe ich zwei Tänzer mit unterschiedlichen Hintergründen, unterschiedlichen Karrieren und, das ist die Hauptsache, mit verschiedenen Tanzstilen befragt. Denn Tanz ist nicht nur Ballett.

Darf ich vorstellen: Lena Kaag von der Tanzschule Monroe aus Ludwigsburg und Leif Federico Firnhaber, Tänzer aus »Puz/zle«.

Lena: »Vor knapp 17 Jahren, als ich sechs Jahre alt war, wollte ich tanzen »wie eine Ballerina« oder »wie die mit den schönen Kleidern im Fernsehen«. Nach sehr kurzer Testphase landete ich dann beim Latein- und Standardtanz für Kinder – so fing alles an. Schon damals war ich bei meinem heutigen Trainer bzw. Chef«.

Leif Federico Firnhaber entdeckte erst später sein Talent. Zwar hatte ich erwartet, er würde eine Karriere hingelegt haben – in die Richtung mit vier zum Ballett, mit zehn aufs Ballettinternat – aber weit gefehlt. Leif F. Firnhaber wurde in Paraguay geboren und wuchs in Spanien auf. Dort besuchte er aufgrund der Deutschstämmigkeit seines Vaters eine deutsche Schule. Und in seiner Freizeit? Da brauchte er eine Auszeit vom vielen Sitzen und tanzte mit seinen Freunden auf der Straße Breakdance. Es gab immer Zuschauer und so wurde er schließlich entdeckt und ging auf seine erste Tour quer durch Spanien. Er war froh, dass er nach seinem Abitur etwas Anderes ausprobieren konnte und außerdem reist er schon immer gerne. Tja, ein Karriereaufstieg wie im Film, kann ich da nur sagen!

Und wie ging es für Lena Kaag weiter?

»Mit neun Jahren begann ich Latein-Turniere zu tanzen, später auch Standard. In jüngeren Jahren war das eher regional in Baden-Württemberg, später deutschlandweit. In Phasen ohne Tanzpartner habe ich frühzeitig auch Videoclipdancing auf Wettkampfebene getanzt, in Teams sowie als Solistin. In beidem konnte ich einige kleinere Titel ertanzen, bis hin zu Finalteilnahmen an deutschen Meisterschaften«.

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Also ehrlich gesagt klingt das ganz schön aufregend. Was machen die zwei den eigentlich so in ihrem Alltag?

Leif F. Firnhaber erzählt, wenn für einen Tanz lange geprobt werden müsse, könne es schon manchmal sehr anstrengend sein. Jeder habe seinen ganz eigenen Charakter. Da komme es manchmal zu Reibereien. Seien alle gut drauf, lache man eine Menge miteinander, aber wenn alle schlecht gelaunt seien, dann mache das natürlich nur wenig Spaß und die Stimmung sei auch entsprechend schlecht. Das sei es auch, was den Arbeitstag manchmal stressig mache, weniger der Zeitdruck.

Also das klingt jetzt doch richtig anstrengend. Und bei unserer Tänzerin? Sie arbeitet zur Zeit als Tanzlehrerin.

»Mein Arbeitstag beginnt gegen 14.00 Uhr und dauert bis ca. 23.00 Uhr. Der Tag reicht von Kindertanzen am Mittag über Jugendliche im Standardtanzkurs oder Hip-Hop bis hin zu den Erwachsenen-Standardkursen und -Clubs. Ich treffe viele Menschen, unterrichte viel und natürlich fällt auch mal die ein oder andere organisatorische Aufgabe an«.

Ist das ein straffes Programm! Zeit zum Langweilen bleibt da sicher keine. Ob Tanzen etwas für jedermann ist?

Leif F. Firnhaber hat selbst am Anfang seiner Karriere Workshops für Menschen gemacht, die keine Tanzerfahrung hatten. Er fand, das habe etwas sehr Soziales und überhaupt arbeite er gerne mit Menschen zusammen.

Das kann ich gut nachvollziehen. Menschen sind ja auch mitunter das Interessanteste, was einem in einem Beruf begegnen kann. Und so nah dran an ihnen wie beim Tanzen ist man sicher in nur wenigen Berufen.

Lena meint: »Tanzen kann jeder – da bin ich mir sicher. Hierbei geht es um Bewegung zur Musik mit viel Spaß. Lediglich wenn es in den Leistungsbereich geht, gilt es ein wenig zu differenzieren: Hier ist selbstverständlich viel Fleiß und viel Training wichtig, mit einer gewissen Portion Talent wird einem das natürlich ein wenig erleichtert.«

Also ich würde sagen: Nichts wie los getanzt! Wobei – so schnell geht das dann doch nicht. Wie lange diese beiden wohl für eine Choreografie proben müssen?

Lena: »Das lässt sich nie genau sagen. Je nach Choreographie oder auch Auftrittsziel muss man dementsprechend lang trainieren. Bei meinen eigenen Auftritten lässt sich sagen, dass ich aus Zeitmangel in der letzten Zeit deutlich weniger trainiere als das was ich hier nennen würde. Je nach Trainingsintensität würde ich aber für eine Choreographie von der Entwicklung bis zum Auftritt mindestens 4 Monate Trainingszeit empfehlen, jedoch spielen dabei nahezu unendlich viele Faktoren eine Rolle.«

Leif F. Firnhaber meint, dass das ganz unterschiedlich sei. Manchmal probe man zwei Monate am Stück und führe dann direkt auf, aber manchmal, wie bei »Puz/zle«, probe man immer stückchenweise und puzzle am Schluss alles zusammmen.

OK, also wie ich schon vermutet hatte: Eine Menge Arbeit! Aber was hält die Tänzer dennoch am Tanz fest? Was ist es, das ihren Job so besonders macht?

Lena: »Die Menschen, der unendliche Spaß und die Musik!«

Leif F. Firnhaber findet, das ist eine sehr schwere Frage. Er selber tanze, lache und esse gern. Aber nach einigem Überlegen kommt er dann zu dem Schluss, dass er vor allem den engen Austausch mit anderen sehr schätze. Das gefalle ihm am besten. Außerdem fühlt er sich beim Tanzen so lebendig. Allerdings sei Tanzen letztendlich auch ein Job wie jeder andere. An manchen Tagen würde es toll sein, aber von Zeit zu Zeit habe man auch einfach einen schlechten Tag erwischt.

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Also wie im echten Leben. Bekommen Sie allmählich keine Lust, statt steif vor dem Bildschirm zu sitzen selbst ein wenig die Hüften zu schwingen? Ich schon! Deswegen werde ich jetzt auch tanzen, und zwar in den Sommer hinein. Mal sehen, wohin der Weg mich führt…

P.S.: Die beiden Tänzer haben sich nie kennengelernt, die Interviews wurden getrennt geführt. Einmal schriftlich (Lena Kaag) und einmal mündlich (Leif F. Firnhaber). Ich danke beiden herzlich für ihre offenen und ehrlichen Antworten!