Wenn Mensch und Marionette verschmelzen

Viele haben das Glück, sich dieses Jahr Combattimento zum zweiten Mal anschauen zu können. Für mich ist es heute Abend meine Premiere und ich freue mich schon, dem Ensemble L’Arpeggiata und den Marionettenspielern von der Compagnia Figli d’arte Cuticchio beim Spielen, Tanzen und Musizieren zu zuschauen. Weil ich es aber nicht abwarten konnte, spielte ich Mäuschen und schlich mich in die Proben.

Loge des Herzogs

Es ist nicht nur das erste Mal, dass ich Combattimento sehe, sondern auch das erste Mal, dass ich in einem so alten und besonderen Theater sitze, während die Künstler auf der Bühne mich in ihren Bann ziehen. Das Schlosstheater schickt einen zurück in der Zeit. Man bekommt das Gefühl bei der Uraufführung von »Il combattimento di Tancredi e Clorinda« und »Il Palazzo incantato« zu sitzen und Herzog Carl Eugen thront hinter einem in der Loge.
Der Vorhang geht auf und die Zeitreise beginnt. Alles was an die Gegenwart erinnert wird ausgeblendet und man befindet sich mitten im Theater der Vergangenheit. Man erblickt ein wunderschönes Marionettentheater, an dessen Bemalung man sich nicht sattsehen kann.

Ein weiterer kleiner Vorhang geht auf und die Marionetten erscheinen auf ihrer Bühne. Wer jetzt sagt, Marionettentheater sei nur etwas für Kinder, der wird hier eines Besseren belehrt. Die sizilianischen Marionettenspieler um Mimmo Cuticchio haucht den Figuren auf eine Art Leben ein, dass man kaum noch die Fäden und Stäbe, mit denen sie die Marionetten bewegen, wahrnimmt. Auch wenn man kein Italienisch versteht, transportieren die Marionetten mit jeder Geste die Geschichte so wunderbar, dass man trotz Sprachbarriere ihr erstaunlich gut folgen kann.

Ritter Astolfo

Und dann wird es interessant, die Puppen treten ab und Menschen entsteigen der Marionettenbühne. Sie führen die Geschichte an der Stelle jedoch vor der kleinen Bühne fort, als wären tatsächlich in dem Moment aus den Marionetten Menschen geworden. Damit eröffnen sie eine ganz neue Dimension für den Zuschauer und durch den wiederholten Übergang von Marionette zu Mensch und wieder zurück, verschmelzen die Figuren mit der Zeit und man kommt in einem Zauberreich an, das einen voll und ganz in den Bann zieht.

Aus meiner persönlichen Zeitreise wurde ich plötzlich gerissen und zurück auf den Boden der Tatsachen geholt, als ich den obersten Rang des Theaters erklomm und auf einmal in einem kleinen Raum voller Technik stand. Auch wenn das eine oder andere Gerät nicht mehr das jüngste war, ein paar hundert Jahre alt konnten sie noch nicht sein. Nein, ich war zurück im jetzt und hier.

Cornelius und Carry beim Übertitel einrichten

Zwischen der ganzen Technik standen drei Personen: Cornelius Feil und erry Ferro, die beiden Herren mit der Verantwortung über die Übertitel und Verena Bierl, unseres Pressesprecherin, die ausgezeichnet Italienisch spricht und damit tatkräftig Cornelius und erry unterstützt. Ich durfte zuschauen, wie die drei die Übertitel einrichteten und hab dabei viel darüber erfahren. Wenn ihr auch mehr darüber wissen wollt, dann schaut euch doch den folgenden Link an, darin erzählt Cornelius alles über sein Handwerkskunst.

»Übertitel wie ein Musikinstrument«


Weitere Combattimento-Termine bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen:
SO 8. Juli | 19 Uhr | Schlosstheater
MI 11. Juli | 20 Uhr | Schlosstheater

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