Love it or leave it

von Lea Schadt ( Undercover bei den Festspielen )

Mittwoch, 20. Mai, 17.00 Uhr

Lea Schadt im Interview mit Amit Peled

Als ich auf das Hotel zugehe, kann ich die Schmetterlinge in meinem Bauch nicht nur tanzen spüren, sondern sogar singen hören. Und das alles nur, weil ich ein Interview führen darf. Obwohl…was heißt hier »nur«: ich konnte »nur« drei Stunden vor dem Konzert den Star des heutigen Abends interviewen: Amit Peled. Er ist israelischer Cellist, hat bereits bei vielen berühmten Veranstaltungen gespielt, u.a. dem Newport Festival, schon zwei CDs veröffentlicht und ist Professor am Peabody Conservatory of Music der John Hopkins Universität in Baltimore.
Mann, hat meine Kopfhaut bei solcher Promipräsenz gekribbelt. Aber ich bin ja schließlich Miss Undercover, da haut mich so schnell nichts von den High-Heels. Na, die Gefahr bestand bei einem so netten Interviewpartner ja sowieso nicht. Mit was für Fragen Miss Undercover Mister Peled gelöchert hat (was er aber, wie er versicherte, echt gerne getan hat), das lesen Sie in den folgenden Zeilen.

Lea:   Wieso haben Sie sich dafür entschlossen, Cello zu spielen – und nicht ein anderes Instrument?

Peled:  In Israel gehört das Spielen eines Instrumentes zum Bildungsstandard. Deshalb sollte ich mich mit zehn Jahren für ein Instrument entscheiden. Das Cello habe ich gewählt, weil es ein tolles Mädchen gab, das Cello spielte und irgendwie hatte ich gehofft, ich könnte ihr dadurch näher kommen. Ich hatte eben eine ganz normale Kindheit, eigentlich habe ich Basketball gespielt und auch nicht jeden Tag Cello geübt. Aber wahrscheinlich war ich begabt, denn als ich vierzehn wurde, zog ein Lehrer meine Mutter beiseite, sagte ihr, ich hätte Talent und empfahl ihr, mich zu einem besseren Lehrer zu schicken. Damals bekam ich also einen »richtigen« Lehrer und das war der Start meiner Karriere. Schon kurze Zeit später kam ich auf eine Highschool für Künstler. Ich hatte nichts dagegen einzuwenden, denn ich habe mir gedacht: »Hey, ein Basketballstar wirst du ohnehin nicht, warum versuchst du es nicht mit dem Cellospiel? Dafür hast du ja offensichtlich eine Begabung.« Auf dieser Schule übte ich dann jeden Tag viele Stunden, ich stand morgens um halb fünf auf, übte, ging zum Unterricht und der Nachmittag bestand wieder aus Übungsstunden. Aber das war nicht schlimm. Meine Freunde dort machten auch nichts anderes: sie tanzten oder malten den ganzen Tag.

Lea:  Dann war es also eine gute Wahl, Sie dorthin zu schicken?

Peled:  Ja, ich denke schon.

Lea:  Wer ist denn eigentlich ihr Lieblingskomponist und was ihr Lieblingsstück?

Peled:  Das ist aber eine ziemlich schwere Frage. Ich denke, Britten und Ligeti. Sie erzählen in vielfältigen Dialogen eine Geschichte. Und Bach natürlich. Die »Suite Nr. 1 für Violoncello solo G-Dur« kennt fast jeder.
Normalerweise wähle ich mein aktuelles Lieblingsstück aber ganz nach meiner Stimmung aus. Wenn mir nach Britten ist, dann spiele ich Britten.

Lea:  Hmm… ich habe gelesen, dass Sie auch ein sehr begehrter Lehrer sind. Welche Tipps würden Sie denn einem Celloschüler geben, was bringt ihn wirklich weiter?

Peled:  Natürlich muss er sein Instrument lieben! Als ich anfing zu unterrichten, konnte ich mir noch nicht aussuchen, wen ich gerne unterrichten würde. Damals hatte ich auch Schüler, die noch keinen Zugang zu ihrem Instrument gefunden hatten. Ja, es gab sogar Schüler, die kamen mit dem IPod in den Unterricht und nahmen sich die Übungen und was ich ihnen sagte auf, um es später anzuhören. So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Sie hören gar nicht richtig zu. Ich will nicht, dass sie mich einfach nur kopieren. Sie machen es ja schließlich nicht für mich. Es ist nicht schlimm, wenn man mal Fehler macht, aber ich glaube es ist wichtig, einem Stück Persönlichkeit einzuhauchen.

Lea:  Und wie finden Sie es, wenn man ein Instrument nur als Hobby spielt?

Peled:   Das ist sehr, sehr schön. Vielleicht ist das manchmal sogar besser als es als Beruf zu haben. Aber natürlich muss man auch ein Hobby mit Leidenschaft ausüben!

Lea:  Sind Sie eigentlich aufgeregt, bevor Sie auftreten?

Peled:   Na klar! Und ich glaube, wer von sich behauptet, er sei es nicht, der lügt. Meiner Meinung nach muss man dies akzeptieren und dann den Dingen auf der Bühne einfach seinen Lauf lassen.

Lea:  Ich bin eigentlich nicht so sehr aufgeregt, wenn ich vor Publikum reden muss, aber wenn ich vor Publikum spielen muss, dann schon. Man fühlt sich dann so seltsam…

Peled:  Man fühlt sich tatsächlich unwohl, wie nackt. Aber das ist auch klar, immerhin gibt man mit dem Spielen eines Instrumentes Einblicke in sein Innerstes. Ich habe als Schüler nicht gerne vor der Klasse gesprochen – aber wenn mein Cello dabei war, dann war es ganz in Ordnung.
Es gibt eine sehr schöne Geschichte des Cellisten Pablo Casals: angeblich wäre er nie freiwillig auf die Bühne gegangen, hätte seine Mutter ihn nicht regelrecht herausgeschubst. Und das alles nur, weil er so großen Respekt vor dem Stück hatte und seine Sache hervorragend meistern wollte.

Lea:  Würden Sie eigentlich wollen, dass ihre Kinder auch Cello spielen?

Peled:  Nein. Meine achtjährige Tochter spielt Klavier. Aber mein kleiner Sohn will unbedingt Cello spielen. Ich kann ihn nicht unterrichten, aber er hat ein kleines Cello, auf dem er »spielt«. Allerdings weiß ich nicht, ob ich wollen würde, dass sie Berufsmusiker werden. Ich werde sie natürlich nicht davon abhalten und ich werde ihnen nicht im Weg stehen. Unsere Kinder waren schon immer von Musik umgeben.

Lea:  Ich wäre jetzt am Ende meiner Fragen. Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen für das tolle Interview bedanken und dass Sie sich Zeit für mich genommen haben.

Peled:  Gerne, jetzt habe ich ja noch genügend Zeit, um nervös zu werden.

Und was für einen Schluss ziehen wir jetzt aus dem Interview?
Ich bin um ein großartiges Treffen reicher und er hat einen Fan mehr.
Wenn das kein guter Tausch ist…

Eure Lea


Weitere Informationen zum Künstler unter:

http://www.facebook.com/CellistAmitPeled

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