Live aus dem Konzertsaal – Ein ungewöhnlicher »Troubadour« auf CD

von Axel Grünert

Im Rahmen des Schlusskonzerts der Ludwigsburger Schlossfestspiele wurde 2009 Giuseppe Verdis »Il Trovatore« konzertant aufgeführt. Der Live-Mitschnitt wurde nun beim Label Oehms Classics als CD veröffentlicht.

Als Mitarbeiter bei den Schlossfestspielen und Projektleiter dieser Produktion fällt es nicht leicht, objektiv über diese Aufnahme zu sprechen – daher der Versuch, durch einen Einblick in die Entstehung die Besonderheiten der CD hervorzuheben.

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Planung und die ersten Überlegungen einer möglichen Besetzung, die den Klangvorstellungen von Michael Hofstetter entsprachen, schließlich ging es um Verdis »Troubadour« – einer Oper mit vier großen und sehr schwierig zu singenden Solopartien. Michael Hofstetter hatte die Idee eines lyrisch angelegten Interpretationsansatzes. Er wollte den Versuch unternehmen, dem Klang der Verdi-Zeit nachzuspüren und die Kontraste der Partitur mittels Originalinstrumenten und einer äußerst genauen Beachtung aller dynamischen Bezeichnungen sowie Tempoangaben herauszuarbeiten. Und in der Tat, die Produktion weist mit Simone Kermes als Leonora, Herbert Lippert als Manrico und Miljenko Turk als Conte di Luna eine sehr ungewöhnliche Solistenbesetzung auf.

Zur Leonora kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde – im Rahmen einer Arbeitsprobe zu einer Produktion von Mozarts »Die Entführung aus dem Serail« in der Simone Kermes als Konstanze besetzt war. Die Sängerin sang aus Spaß eine Arie aus dem »Troubadour« vom Blatt vor, und wir waren restlos begeistert davon, mit welcher Leichtigkeit sie die anspruchsvolle Partie zu interpretieren wusste.

Auch für Herbert Lippert, der eher im Mozart-Fach zu Hause ist, stellte dieses Experiment eine Herausforderung dar. Seine Stimme entspricht am wenigsten dem was heute gemeinhin im Stimmfach des Tenore lirico spinto an den meisten Opernhäusern zu erleben ist. Allein aus diesem Grund ist die Aufnahme hörenswert und spannend.

Mit Miljenko Turk und Josef Wagner fanden wir zwei junge Sänger mit klangschönen Stimmen und der Fähigkeit, ihre Partien packend zu gestalten.

Last but not least ist Yvonne Naef als Azucena zu nennen. Diese großartige Sängerin hat die Partie bereits an zahlreichen bedeutenden Opernbühnen der Welt gesungen und mit ihrer Aura und Stimmgewalt für ganz besondere Gänsehautmomente in der konzertanten Aufführung gesorgt.

Alles in allem ist dieser Live-Mitschnitt ein gelungenes Tondokument in der langen Rezeptionsgeschichte dieses Opern-Evergreens und der erfolgreiche Versuch dem historischen Klang der Verdi-Zeit nachzuspüren, was in besonderem Maße auch dem hervorragenden Festspielchor (Einstudierung: Jan Hoffmann) und dem auf Originalklanginstrumenten musizierenden Festspielorchester zu verdanken ist.

Fazit: Wer diese Oper kennt und liebt, sollte es sich nicht entgehen lassen, diese Interpretation zu hören und dabei die Bereitschaft mitbringen, alte Klangvorstellungen beiseite zu schieben, um diese Partitur noch einmal ganz neu zu erleben.

OehmsClassics, OC 951, 2 CDs

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