Heute Abend spielt das Percussion Ensemble Babette Haag in der Ludwigsburger Karlskaserne. Im Interview erklärt die Perkussionistin, was die Zuschauer erwartet:
Heute Abend spielt das Percussion Ensemble Babette Haag in der Ludwigsburger Karlskaserne. Im Interview erklärt die Perkussionistin, was die Zuschauer erwartet:
Junge Interpreten bereichern die Konzertlandschaft. Mit ihren ganz eigenen Ansätzen füllen sie auch altbekannte Werke der Klassischen Musik wieder mit neuem Leben. Bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Nachwuchsmusiker zu entdecken. In unserer Reihe »Rising Stars« stellen wir die musikalischen Newcomer vor.
Die drei Sängerinnen, die wir heute porträtieren, gestalten das Projekt »Mediterraneo« mit. Das Ensemble L’Arpeggiata versammelt dafür Musiker rund ums Mittelmeer, die ihre jeweiligen musikalischen Traditionen miteinander verknüpften. So ist eine spannende Mischung entstanden, die nicht die Unterschiede, sondern vielmehr die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Volksmusiken offenbart. Einen wesentlichen Anteil daran haben die jungen Sängerinnen.
Aikaterini Papadopoulou (Griechenland)
Das Adjektiv »funky« kommt bei der Beschreibung einer klassischen Gesangsstimme eher selten vor – bei Aikaterini Papadopoulou allerdings schon. Anlass für das ungewöhnliche Lob der Zeitung »Neues Deutschland« ist der Anteil der griechischen Sängerin am Projekt »Mediterraneo« des Ensembles L’Arpeggiata. Dessen Leiterin Christina Pluhar hatte Aikaterini Papadopoulou mit ins Boot geholt. Während sie in ihrer griechischen Heimat bereits lange zu den bekanntesten Sängerinnen byzantinischer Volksmusik zählt, ist sie in unseren Breiten noch relativ unbekannt. Mit »Mediterraneo« wird sich das ändern. Das beweist allein schon die eindeutige Resonanz auf Papadopoulous musikalische Interpretation: Ihr erdiges, typisch »griechisches« Timbre wird ebenso gelobt wie ihre Fähigkeit, im Duett mit ihren Partnern musikalisch zu verschmelzen. Mit ihrer langen Erfahrung schafft sie es, zu »Mediterraneo« eine ausdrucksstarke griechische Facette beizusteuern. Die Athenerin besuchte bereits als Kind Kurse zur traditionellen Musik ihrer Heimat. Ihre Studien der byzantinischen Musik schloss sie im Jahr 2000 mit Diplom ab. Seit ihrer Kindheit trat sie zudem in zahlreichen Theateraufführungen und im staatlichen Fernsehen auf. Sie arbeitete dabei mit Domna Samiou, Pantelis Thalassinos und anderen Volksmusik-Größen ihrer Heimat zusammen. Außerdem recherchierte sie vor einigen Jahren unbekannte Lieder aus Meli, die sie in einem Album präsentierte. Und als ob das noch nicht genug wäre: Die Sängerin arbeitet zudem als Dozentin am Athener Konservatorium. Wer bei Volksmusik an verstaubte Traditionen denkt, liegt bei Aikaterini Papadopoulou falsch. »Funky« ist wohl die passendere Beschreibung.
Nuria Rial (Katalonien)
»Ich bin sehr puristisch: Ich mag es, wenn man die Augen zu macht und nur Musik hat«. Die große Bühnenshow ist der jungen katalanischen Sopranistin Nuria Rial offenbar fremd. Gefühle will sie zuallererst über ihre Stimme erwecken. Und das schafft sie nicht nur mit dem Herzstück ihres Repertoires, der Barockmusik. Auch Querverbindungen zum Jazz und zur zeitgenössischen Musik gehören zu ihrem Repertoire. Ihre musikalische Ausbildung erhält Nuria Rial in Katalonien. Dort studiert sie Klavier und Gesang, bevor sie ihre Studien an der Musikakademie in Basel bei Kurt Widmer fortsetzt. Während dieser Zeit gewinnt sie verschiedene Auszeichnungen, unter anderem von der Stiftung Helvetia Patria Jeunesse und von der europäischen Kulturstiftung Pro Europa. Als Solistin tritt sie mit renommierten Ensembles und Orchestern wie dem Kammerorchester Basel, Concerto Köln, dem Orquesta Barroca de Sevilla und dem Züricher Kammerorchestra in vielen Ländern Europas auf und konzertiert bei Festivals in Bolivien, Mexiko, Kuba und Israel. Außerdem singt sie in den führenden Opernhäusern Europas. Zahlreiche CD-Erscheinungen bescheinigen ihre vielseitige Gesangskarriere. Als »Stargast« bezeichnet sie gar »Die Welt« anlässlich der Veröffentlichung der Einspielung von Pasquale Anfossis »La finta giardiniera«. Ihre mittlerweile zahlreichen Aufnahmen zeichnen das deutliche Porträt einer Sängerin von großer Musikalität, die es schafft, gleichzeitig flexibel, leicht und natürlich zu singen, ohne eine Spur von Anstrengung zu offenbaren. Diese Mischung macht’s – auch bei »Mediterraneo«.
Raquel Andueza (Spanien)
Auch Raquel Anduezas Anteil am Projekt »Mediterraneo« sorgt für Aufsehen. Die Südwest-Presse sieht in ihr eine hervorragende Sängerin und selbst Star-Sänger Philippe Jaroussky lobt die junge Kollegin, mit der er auf der Bühne viel Spaß beim gemeinsamen Singen gehabt habe. Die im spanischen Pamplona geborene Sopranistin Raquel Andueza begann ihre musikalische Ausbildung im Alter von sechs Jahren. Ein Stipendium der Regierung von Navarre und der Town Hall of London ermöglichte ihr ein Studium an der Guildhall School of Music and Drama in London. Die Sängerin arbeitet regelmäßig mit Ensembles wie L’Arpeggiata, Gli Incogniti, La Tempestad, Orquesta Barroca de Sevilla und Hippocampus. 2003 wurde sie Mitglied des Vokalquartetts La Colombina. Im Duo mit Jesús Fernández Baena (Theorbe) begann sie sich auf die italienische Musik des 17. Jahrhunderts zu spezialisieren und gründete 2010 ihr eigenes Ensemble La Galanía. Als Solistin ist sie auf zahlreichen europäischen Festivals zu Gast und arbeitete mit Dirigenten wie William Christie, Fabio Biondi, Emilio Moreno und Ottavio Dantone. 2012 debütierte sie in der Carnegie Hall in New York. Regelmäßig gibt sie Gesangsunterricht am Teatro Real de Madrid und an den Universitäten von Burgos und Alcalá de Henares. Bei uns ist sie mit »Mediterraneo« zum dritten Mal zu Gast. Nicht ohne Grund: Während sich ihr leidenschaftlich interpretiertes »Besame Mucho« im Rahmen des Konzerts »Los Pajaros Perdidos« als eines der Highlights des Programms 2012 herausstellte, überzeugte sie bei »Combattimento« 2011 mit anrührenden Liebesklagen. So oder so: Raquel Andueza sorgt bei jedem Auftritt für Furore.
Freuen Sie sich auf drei hervorragende Sängerinnen, die es zu entdecken lohnt! Hier gibt es schoon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf »Mediterraneo«:
Quellen und Informationen:
http://www.swp.de/bietigheim/lokales/ludwigsburg/art1188801,1968648
http://www.swp.de/bietigheim/lokales/ludwigsburg/art1188801,1968551
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Barocker-Puppentanz-im-Schlosstheater;art4308,1032377
http://www.neumarkter-konzertfreunde.de/sites/default/files/presse/nuernbnachr_101022.pdf
von Christoph Kolossa
»Er ist einer der kommenden Klavier-Stars«, findet die Süddeutsche Zeitung. »Wo er spielt, hinterlässt er Verblüffte«, behauptet DIE ZEIT und die Frankfurter Allgemeine Zeitung bringt es schließlich auf den Punkt: »Dieser junge Mann hat nicht nur das Zeug, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Er ist es schon«. So viel Lob macht neugierig auf einen Musiker, der dieses Jahr nach einem Konzert 2012 zum zweiten Mal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen zu hören ist: Igor Levit. Der Pianist gibt in dieser Saison gleich zwei Konzerte in Ludwigsburg.
Dafür, dass ihn die Kritiker dermaßen loben, ist es bis auf seine – zugegeben – zahlreichen Konzerte recht still um den Nachwuchs-Pianisten, der offensichtlich vor allem durch seine Musik sprechen will. Dabei hat der 26-Jährige eine interessante Biografie, die sicher Einiges über sein Talent erzählt.
1987 wird Igor Levit im russischen Nishni Nowgorod geboren. Seit seinem 4. Lebensjahr spielt er Klavier, drei Jahre später folgt sein Debüt mit dem Sinfonieorchester seiner Heimatstadt. Obwohl er dort für ziemliches Aufsehen sorgt, immigriert die Familie kurz darauf nach Deutschland. Als Hochbegabter kommt er an die Musikhochschule in Hannover. In der Folge gewinnt er einige Nachwuchspreise, darunter gleich vier Preise beim Internationalen Arthur Rubinstein Wettbewerb in Tel Aviv 2005. Erst vor kurzem ist er zum BBC New Generation Artist ernannt worden und ist 2013 Artist in Residence beim Heidelberger Frühling.
Man sieht ihn nie in Talkshows, Champagner ist nicht seine Sache, wie er in einem Interview gesteht. Überhaupt ist ihm der größer werdende Ruhm nicht zu Kopf gestiegen: »Ich kann letztendlich nicht mehr machen, als mich gut vorzubereiten und alles zu geben. Am Ende zählt die Leistung am Instrument«. So lakonisch antwortet Igor Levit auf das Lob, das ihm von allen Seiten entgegen kommt. Damit weicht er auf angenehme Weise vom Klischee des Starpianisten ab. Bei ihm gibt es kein Brimborium um empfindliche Hände und auch keine groß angelegte Gesichtsgymnastik beim Konzert, die das künstlerische Einfühlungsvermögen auch nicht-musikalisch verdeutlichen soll. Tatsächlich geht es, so banal das klingt, nur um die Musik.
Igor Levit ist ein akribischer Klangkünstler, er zerlegt die Musik in ihre Einzelteile, macht Strukturen offenbar und entlarvt so manches Partituren-Ornament als reinen Effekt. Zugleich hastet er nicht, vom blinden Furor gepackt, durch die Musik, sondern lässt den Noten Zeit, sich zu entwickeln. Dadurch gelingt ihm, was Eleonore Büning in der FAZ beschrieben hat: » Nur sehr gute Pianisten können das so spielen: dass das Klavier, dieses intime Ein-Mann-Privat-Orchester, das gleichwohl große Säle füllt, in seiner strukturellen Einsamkeit die Allgemeinheit touchiert«.
Wir sind gespannt.
Quellen und weitere Informationen:
http://www.zeit.de/2012/20/Pianist-Igor-Levit
http://www.sueddeutsche.de/kultur/pianist-igor-levit-im-konzert-eigenwillige-dialektik-1.1578242
http://www.concerti.de/de/1315/kurz-gefragt-igor-levit-urlaub-wird-ueberbewertet.html
Konrad Junghänel über C. P. E. Bachs »Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu«
Morgen Abend dirigiert Konrad Junghänel Chor und Orchester der Schlossfestspiele. Auf dem Programm steht Carl Philipp Emanuel Bachs Oratorium »Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu« – die passende Veranstaltung am Vorabend von Christi Himmelfahrt. Im Gespräch mit dem stellvertretenden Intendanten der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Uwe Schmitz-Gielsdorf, erklärt der Spezialist für Alte Musik, was das Besondere am Werk des Bach-Sohnes ist und was die Ludwigsburger Zuschauer erwarten wird.
Uwe Schmitz-Gielsdorf: Lieber Konrad Junghänel, sie waren bereits mehrmals bei uns zu Gast. Mit welchen Gefühlen kehren Sie nun nach Ludwigsburg zurück?
Konrad Junghänel: Mit den immer gleichen: mit positiven Gefühlen. In den vergangenen Jahren habe ich hier wunderbare Aufführungen erlebt und mitgestaltet – und das vor einem tollen, sehr verständigen Publikum. Außerdem habe ich hier wunderbare Arbeitsbedingungen und verstehe mich mit dem gesamten Festspiel-Team außerordentlich gut. Zwar bin ich hier bisher mit meinem Orchester Cantus Cölln aufgetreten und kenne Chor und Orchester der Schlossfestspiele noch nicht, aber ich bin es gewohnt, mit mir unbekannten Ensembles zu arbeiten, was immer eine besonders reizvolle Aufgabe ist und bisher zu sehr guten Ergebnissen geführt hat. Hinzu kommt eine hervorragende Solistenbesetzung. Joanne Lunn, Maximilian Schmitt und Georg Nigl sind hervorragende Sänger. Ich bin also äußerst zuversichtlich, dass unser Konzert in Ludwigsburg ein großer Erfolg wird.
Welche Bedeutung hat Carl Philipp Emanuel Bach als Komponist für Sie?
Ich wollte unbedingt ein Konzert mit seinen Werken dirigieren, da ich seine Musik außerordentlich schätze. Er ist ein ganz besonderer Fall, sozusagen ein Komponist zwischen den Zeiten. Vor ihm steht natürlich Papa Bach, über den wir nicht weiter sprechen müssen, er hat schließlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Um ihn müssen wir uns also keine Sorgen mehr machen. So sieht es auch mit den Komponisten nach C. P. E. Bach aus, etwa bei Mozart. Auch ein regelrechter Popstar unter den Komponisten des 18. Jahrhunderts. Die Zeit dazwischen hat es etwas schwer, wie ich finde, zu Unrecht. Natürlich sind die beiden Komponisten, die ich gerade erwähnt habe, große Genies, wie es sie in unserer abendländischen Geschichte nicht gerade häufig gibt.
Das klingt fast so, als wäre C. P. E. Bach eine Art Bindeglied zwischen seinem Vater und den Komponisten der Wiener Klassik. Ist das so?
KJ: In der Tat. Und das nicht aufgrund seiner Abstammung oder wegen geografischer Überschneidungen. Seine Kompositionsweise und seine Idee von Musik verbindet das Barockzeitalter mit der späteren Klassik. C. P. E. Bachs Werk ist ein besonders gutes Beispiel für die Epoche der Empfindsamkeit und den Sturm und Drang, was besonders in seinen großen Sinfonien unverkennbar ist. Seine Musik bricht die Barockmusik buchstäblich auf und geht ganz neue Richtungen.
Bei uns werden sie das Oratorium »Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu« aufführen. Ist dieses Oratorium eigentlich tatsächlich für die Kirche komponiert worden?
Nein, es ist ein reines Konzert-Oratorium. Diese Entwicklung war aber nicht neu, sie beginnt bereits bei Komponisten wie Georg Friedrich Händel. Ein Oratorium war in der Mitte des 18. Jahrhunderts kein bloßes liturgisches Mittel mehr, sondern ging immer stärker in eine dramatische Richtung, etwa bei Georg Philipp Telemann, aber auch bei C. P. E. Bach. Die Oratorien seines Vaters waren natürlich aus einem viel religiöseren Holz geschnitzt, er war auch als Person ein sehr frommer Mensch, was sich natürlich auch in seiner Musik niedergeschlagen hat. Trotzdem kann man natürlich jedes Oratorium aus dem kirchlichen Kontext lösen und interpretieren.
Wie würden Sie die Grundlage des Oratoriums, also den Text, beschreiben?
Beim Auferstehungs-Oratorium handelt es sich um einen sehr betrachtenden Text, der nicht erzählend vorgeht, wie die Historien- oder Passionsgeschichten bei Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach. C. P. E. Bachs Text ist auch weniger theatral, es gibt bei ihm keine auftretenden Personen, noch nicht einmal Jesus oder Petrus. Auch einen Chor im tragischen Verständnis, bei dem das Volk spricht, gibt es nicht. Das ändert allerdings überhaupt nichts daran, dass gerade die Chorpassagen im Werk wunderschön sind. Es geht bei diesem Werk nicht darum, bloß Handlungen und Meinungen von irgendwelchen Figuren zu präsentieren. Vielmehr werden Gedanken komponiert, Ereignisse und ihre Bedeutung werden reflektiert, betrachtet eben. Das Grandiose daran ist, das C. P. E. Bach eine ebenso betrachtende Musik komponiert hat, die mit dem Text eine perfekte Einheit bildet. Außerdem hat er auf diese Weise etwas Neues geschaffen, nämlich »geistliche Gesänge«. Das weist schon auf die späteren Lieder, wie wir sie aus dem 19. Jahrhundert kennen. C. P. E. Bach ist ein Komponist, dem seine Nachfolger unglaublich viel zu verdanken haben.
Lieber Herr Junghänel, vielen Dank für das Gespräch!
Thomas Wördehoff und Uwe Schmitz-Gielsdorf stellen das Programm 2013 im Café Midori vor
Von Christoph Kolossa
Heute ist es soweit: Wenn um 20.00 Uhr Christian Muthspiel den Taktstock in die Hand nimmt, beginnt die diesjährige Saison der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Mit mehr als 60 Veranstaltungen von Klassik über Jazz bis Pop ist sicher für jeden etwas dabei. Davon überzeugten die Leiter der Festspiele, Thomas Wördehoff und Uwe Schmitz-Gielsdorf, auch die Besucher des Café Midori, wo am Dienstag zum ersten Mal in diesem Jahr die »Schlossfestspiele im Café« stattfanden.
Im Café Midori sind alle Tische und Barhocker besetzt, als Thomas Wördehoff am frühen Abend die Besucher begrüßt: »Wir wollen, dass sich jeder von Ihnen, der zu uns kommt, in unserem Programm wiedererkennt«. Übergreifendes Thema sind die Verknüpfungen zwischen den einzelnen europäischen Kulturen, die sich in Musik und Tanz niederschlagen: »Wir leben zwar in einer Europäischen Union, aber wir kennen uns untereinander nicht besonders gut«. Die einzelnen Veranstaltungen der Saison 2013 zielen deshalb darauf, Querverbindungen zwischen Franzosen und Deutschen, dem Norden und dem Süden, Einheimischen und Migranten freizulegen: »Glauben Sie mir: Es wird eine aufregende europäische Reise«.
Mit mehreren Musikbeispielen illustrieren die beiden, was ihre Besucher erwartet. Bei dem Lied »Tres Sirenas«, das beim Konzert »Mediterraneo« von L’Arpeggiata zu hören sein wird, gerät Uwe Schmitz-Gielsdorf ins Schwärmen: »Diese alten Volkslieder werden auf unglaublich moderne, frische Weise von L’Arpeggiata interpretiert, ein Muss! Und noch dazu wird bei Mediterraneo klar, wie eng verwandt die einzelnen Volkslieder untereinander sind«. Unter den staunenden Gesichtern der Café-Besucher erklingt Musik von Roland Neuwirth, dem Erneuerer des Wienerlieds, vom ungarischen Ensemble Muzsikás und von den Norwegern Henning Kraggerud und Bugge Wesseltoft: »Sie hören, wie vertraut uns diese Musik ist, trotz aller Unterschiede«, sagt Uwe Schmitz-Gielsdorf.
Ähnliches passiert in diesem Jahr mit dem Orchester der Schlossfestspiele, dass von sieben verschiedenen Dirigenten geleitet wird: »Das sind wahre Meister ihres Fachs, die auf ganz individuelle Weise mit unserem Ensemble arbeiten werden. Ich bin selbst total gespannt!«, gibt Thomas Wördehoff zu. Gleiches gilt für die Reihe »Gipsy Time«, die sich der Musik der Sinti und Roma annimmt: »Das sind die eigentlichen Kosmopoliten unter uns«. Was der Intendant damit meint, erklärt das Stück »For Nedim«, das die Geigerin Viktoria Mullova interpretiert: »Die Art, wie sie auf der Violine spielt, ist stark von den Roma inspiriert. Deren Kultur hat sich durch den gesamten europäischen Kontinent gearbeitet und dessen einzelne Kulturen beeinflusst. Die gleiche Spielweise finden sie so auch bei Haydn oder Bartók«. Aha-Reaktionen im Publikum.
Kern der Schlossfestspiele sind, wie in den Jahren zuvor, die Interpreten: »Wir haben wieder einzigartige Künstler eingeladen, die sich mutig mit den großen Werken der Musik auseinandersetzen«. Zum Beweis lauschen die Zuhörer dem Dieter Ilg Trio, das Richard Wagners »Parsifal« als Inspirationsquelle für seine Jazz-Stücke nutzt, und Cecilia Bartoli, die die Musik des vergessenen Komponisten Agostino Steffani wiederbelebt. Verzückte Gesichter dann bei Gabriela Monteros pianistischer Improvisation zum Volkslied »Ein Männlein steht im Walde«, das sich unter ihren Händen zur Chopin-Fantasie entwickelt: »Es ist einfach erstaunlich, was unsere Interpreten schaffen«. Ganz besonders hebt Thomas Wördehoff das gemeinsame Konzert von Christine Schäfer und Isabelle Faust hervor, die Kurtágs »Kafka-Fragmente« aufführen: »Das werden die beiden exklusiv für die Ludwigsburger Schlossfestspiele musizieren«.
Nach anderthalb Stunden verabschieden sich Thomas Wördehoff und Uwe Schmitz-Gielsdorf bei den Zuhörern, die sich rege über das Programm unterhalten. Thomas Wördehoff ist sich sicher: »Das wird eine super Saison!«
Wer sich selbst davon überzeugen lassen möchte, der kann heute Abend ab 20.00 Uhr beim Eröffnungskonzert dabei sein. Wir freuen uns auf Sie