Letzte Woche hatten wir Rezensionen von 1931 von Mozartgemeindeabenden, die noch bei Mitgliedern zuhause stattfanden. 1934 erschien bereits eine Doppelseite in der Stuttgarter Illustrierten über eine Veranstaltung die Wilhelm Krämer zusammen mit Prof. Otto Kraus im Schloss organisiert hat.
Bei Herzog Karl Eugen zu Gast: Hoffest in Schwäbisch Potsdam
Von MILLI STOTZ, STUTTGART
Aufnahmen: A. Illenberger, Stuttgart
Silbernes Lachen, leise klirrt es wie feinstes Porzellan – im Ludwigsburger Schloß ist neues Leben erwacht. Entzückend anmutige Schäferinnen tänzeln wie vor 150 jahren über die
breiten Schloßtreppen, seidene Reifröcke schweben an den Ballustraden an der Südseite des Schlosses zwischen lächelnden Götterfiguren vorbei, hochgeborene Damen und Herren der Hofgesellschaft stolzieren und kokettieren auf schöngepflegten Wegen, parfümierte und gepuderte Zöpfe baumeln an gravitätischen Allongeperücken,
zärtliches Geflüster kommt aus farbenprächtigen Rosenlaub, und flinke Lakaien in prächtigen, goldstrotzenden Livren stellen Stühle und Notenpulte im Halbkreis vor die Schloßterrasse, fintemalen und alldieweilen Serenissimus zu einem Theaterabend im Freien Gäste geladen haben. Noch leuchtet ein lachender Blauhimmel über Schloß und Park. Aber nur noch wenige Stunden werden im Licht der Kerzen schimmern. Karl Eugen, der Herzog, ist höchstpersönlich bei der Hauptprobe zu diesem Festabend anwesend. Neben ihm lorgnettiert, von zwei graziösen Hofdamen flankiert, seine Gemahlin. Der hochmütige Blick des prunkliebenden Schwabenherrschers, der keine Kosten scheute, um die berühmtesten Künstler an seinem Hof zu ziehen, dessen Residenz in Ludwigsburg zu den „glänzendsten europäischen Höfen“ zählte, der seinen Künstlern phantastische Honorare bezahlte, zu dessen Hof die Pariser Kostümzeichner eilten,
um die Kostüme der Ludwigsburger Oper und des Balletts abzuzeichnen und in Paris nachzuahmen, ist heute eitel zufrieden und ruht wohlwollend auf den zarten Figürchen der Tänzerinnen…
Und es ward ein erlesenes Fest, wie es eben nur am Hofe des Herzogs in Schwäbisch-Versailles gefeiert wurde. Stürmischer Beifall der Hofgesellschaft, ein gönnerhaftes Ricken der herzoglichen Perücke noch den Künstlern, und der Abend bei Serenissimus hatte der Ruf dieser schwäbischen Residenz wieder einmal nachhaltig verstärkt und gehoben

Mozart-Ballet “Les petit Riens”: Wie zierliche Porzellanfiguren gleiten Sie dahin und drehen sich im Kreis
Im Rahmen der Ludwigsburger Schloßkonzerte, die der verdiente Ludwigsburger Musikschriftsteller Wilhelm Krämer letztes Jahr ins Leben gerufen hatte, fand ein Festspiel der Württ. Staatstheater vor der Südseite des
Schloßes statt, das bei allen Beteiligten begeisterte Aufnahme fand. Generalintendant Prof. Otto Krauß, der geniale Schöpfer der Freilichtbühne vor dem „Großen Haus“ in Stuttgart leitete den Abend mit sicherer Hand zu einem großen Erfolg. Der Gedanke, durch „höfische Feste“ dem Theater neue Freunde zu gewinnen, fand bei seinen schwäbischen Landsleuten und bei den Kunstfreunden „ außerhalb Etters“ nachhaltigen Anklang. Das Ballett der Staatstheater unter Leitung von Lina Gerzer, die musikalische Leitung von Richard Krauß, die Inszenierung der „Laune des Verliebten „ von Karl Hans Böhm und des Mozartschen Singspiels „Bastien und Bastienne“ von Albin Swoboda verfehlten den Eindruck auf die freudigen Beschauer und Hörer nicht.
Und der Ludwigsburger Erfolg ermuntert zu weiterer Bestätigung in der eingeschlagenen Richtung. Welch gewaltigen Hintergrund würde da das Alte Schloß in Stuttgart abgeben! Die Absicht von Professor Krauß, nach der Wiederherstellung dieses schönsten Bauwerks der Schwäbischen Hauptstadt „Das Käthchen von Heilbronn“ u. a. dort aufzuführen, läßt alle Kunst- und Bühnenfreunde auf eine nachhaltige Belebung unseres Kunstlebens hoffen und Vorfreude empfinden.
[…] den Bestrebungen unserer maßgebenden Kunstschaffenden, beim Volke wieder den Sinn für gute deutsche Kunst zu wecken.
Die großen Erfolge von Professor Krauß und Wilhelm Krämer haben gezeigt, daß richtigen Wege zur Lösung dieser schönen Aufgabe ist.

















