Bei Herzog Karl Eugen zu Gast: Hoffest in Schwäbisch Potsdam

Letzte Woche hatten wir Rezensionen von 1931 von Mozartgemeindeabenden, die noch bei Mitgliedern zuhause stattfanden. 1934 erschien bereits eine Doppelseite in der Stuttgarter Illustrierten über eine Veranstaltung die Wilhelm Krämer zusammen mit Prof. Otto Kraus im Schloss organisiert hat.

Stuttgarter Illustrierte: Deckblatt vom 22. Juni 1934

Bei Herzog Karl Eugen zu Gast: Hoffest in Schwäbisch Potsdam

Bei Herzog Karl Eugen zu Gast: Hoffest in Schwäbisch Potsdam
Von MILLI STOTZ, STUTTGART
Aufnahmen: A. Illenberger, Stuttgart

Rosen ranken um die besonnte Südseite des Ludwigsburger Schlosses…

Silbernes Lachen, leise klirrt es wie feinstes Porzellan – im Ludwigsburger Schloß ist neues Leben erwacht. Entzückend anmutige Schäferinnen tänzeln wie vor 150 jahren über die

breiten Schloßtreppen, seidene Reifröcke schweben an den Ballustraden an der Südseite des Schlosses zwischen lächelnden Götterfiguren vorbei, hochgeborene Damen und Herren der Hofgesellschaft stolzieren und kokettieren auf schöngepflegten Wegen, parfümierte und gepuderte Zöpfe baumeln an gravitätischen Allongeperücken,

Bastien und Bastienne:
Swoboda: Colas
Roster: Bastienne

zärtliches Geflüster kommt aus farbenprächtigen Rosenlaub, und flinke Lakaien in prächtigen, goldstrotzenden Livren stellen Stühle und Notenpulte im Halbkreis vor die Schloßterrasse, fintemalen und alldieweilen Serenissimus zu einem Theaterabend im Freien Gäste geladen haben. Noch leuchtet ein lachender Blauhimmel über Schloß und Park. Aber nur noch wenige Stunden werden im Licht der Kerzen schimmern. Karl Eugen, der Herzog, ist höchstpersönlich bei der Hauptprobe zu diesem Festabend anwesend. Neben ihm lorgnettiert, von zwei graziösen Hofdamen flankiert, seine Gemahlin. Der hochmütige Blick des prunkliebenden Schwabenherrschers, der keine Kosten scheute, um die berühmtesten Künstler an seinem Hof zu ziehen, dessen Residenz in Ludwigsburg zu den „glänzendsten europäischen Höfen“ zählte, der seinen Künstlern phantastische Honorare bezahlte, zu dessen Hof die Pariser Kostümzeichner eilten,

Oben: Prof. Krauß (links) und Wilhelm Krämer bei der Hauptprobe
Unten: Kapellmeister Richard Kraus

um die Kostüme der Ludwigsburger Oper und des Balletts abzuzeichnen und in Paris nachzuahmen, ist heute eitel zufrieden und ruht wohlwollend auf den zarten Figürchen der Tänzerinnen…
Und es ward ein erlesenes Fest, wie es eben nur am Hofe des Herzogs in Schwäbisch-Versailles gefeiert wurde. Stürmischer Beifall der Hofgesellschaft, ein gönnerhaftes Ricken der herzoglichen Perücke noch den Künstlern, und der Abend bei Serenissimus hatte der Ruf dieser schwäbischen Residenz wieder einmal nachhaltig verstärkt und gehoben

Mozart-Ballet “Les petit Riens”: Wie zierliche Porzellanfiguren gleiten Sie dahin und drehen sich im Kreis

Im Rahmen der Ludwigsburger Schloßkonzerte, die der verdiente Ludwigsburger Musikschriftsteller Wilhelm Krämer letztes Jahr ins Leben gerufen hatte, fand ein Festspiel der Württ. Staatstheater vor der Südseite des Schloßes statt, das bei allen Beteiligten begeisterte Aufnahme fand. Generalintendant Prof. Otto Krauß, der geniale Schöpfer der Freilichtbühne vor dem „Großen Haus“ in Stuttgart leitete den Abend mit sicherer Hand zu einem großen Erfolg. Der Gedanke, durch „höfische Feste“ dem Theater neue Freunde zu gewinnen, fand bei seinen schwäbischen Landsleuten und bei den Kunstfreunden „ außerhalb Etters“ nachhaltigen Anklang. Das Ballett der Staatstheater unter Leitung von Lina Gerzer, die musikalische Leitung von Richard Krauß, die Inszenierung der „Laune des Verliebten „ von Karl Hans Böhm und des Mozartschen Singspiels „Bastien und Bastienne“ von Albin Swoboda verfehlten den Eindruck auf die freudigen Beschauer und Hörer nicht.

“Bastien und Bastienne” – Albin Swoboda und Gertrud Walter

Und der Ludwigsburger Erfolg ermuntert zu weiterer Bestätigung in der eingeschlagenen Richtung. Welch gewaltigen Hintergrund würde da das Alte Schloß in Stuttgart abgeben! Die Absicht von Professor Krauß, nach der Wiederherstellung dieses schönsten Bauwerks der Schwäbischen Hauptstadt „Das Käthchen von Heilbronn“ u. a. dort aufzuführen, läßt alle Kunst- und Bühnenfreunde auf eine nachhaltige Belebung unseres Kunstlebens hoffen und Vorfreude empfinden.

“Die Laune des Verliebten”: Hertha Schwarz, Dudolf Fernau, Verena von Ferin

[…] den Bestrebungen unserer maßgebenden Kunstschaffenden, beim Volke wieder den Sinn für gute deutsche Kunst zu wecken.

Die großen Erfolge von Professor Krauß und Wilhelm Krämer haben gezeigt, daß richtigen Wege zur Lösung dieser schönen Aufgabe ist.

“Die Laune des Verliebten”: Hertha Schwarz, Verena von Ferin, Waldemar Seitgeb

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Zeitungsartikel der Stuttgarter Zeitung und der Süddeutschen Zeitung von 1931

Musikabend der Mozartgemeinde

Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 12.12.1931

Die junge Ortsgruppe Ludwigsburg der weitverbreiteten Mozartgemeinde mit Salzburg als Mittelpunkt und Pfleghort der Mozarterinnerungen war erstmals von ihrem Leiter Musikschriftsteller Wilhelm Krämer, auf letzten Mittwoch abend zu gemeinsamer Feier gerufen worden, und es erwies sich sogleich wie wohlgeschaffen und lebensecht sich die neue Bildung in das geistige Leben der Stadt einfügt.
In seinem einleitendem Vortrag ging Herr Krämer zunächst auf die Gründe ein, weshalb man sich zu einem gemeinsamen Ziel in Mozart zusammenfinde. Ein Brief von Prof. Huttary; de, Zentralvorsteher aller Mozartgemeinden, an die Stadtverwaltung von Ludwigsburg habe die erste Anregung gegeben. Der Gründungsaufruf des Vortragenden in der „Ludwigsburger Zeitung“ im Mai habe nun den Erfolg gehabt, daß er heute den großten Teil des bereits 40 Mitglieder zählenden Stammes der Ortsgruppe in den Privaträumen eines Mitglieds, Frau Lilly Haußer, der er warme Dankesworte widmete, begrüßen dürfe. Es gelte auch hier und heute einen Weg aus den Musiknöten der Zeit, irgend eine lebendige Wechselwirkung zwischen Ausübenden und Hörern fernab von den Waffenwirkungen der Konzerte zu suchen, und gerade der Lichtgenius von Mozart könne die vereinen, die hinter der Materie die Seele suchen und, wie sie mit warmen Herzen das Schönelieben, das Leben aus solchem Innern bejahen, gestalten und veredeln wollen.
So traten denn aus der Versammlung selbst heraus Künstler.

Kammermusikabend der Mozartgemeinde Ludwigsburg

Artikel der Stuttgarter Zeitung vom 20.12.1931

Die Mozartgemeinde Ludwigsburg, die im vergangenen Sommer als jüngste Ortsgruppe der großen „Mozartgemeinde der internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg“ von Ludwigsburger Musikfreunden ins Leben gerufen wurde, vereinte am Mittwoch zum ersten Mal ihre Mitglieder zu einem festlichen Musikabend. Dank dem Entgegenkommen eines Mitgliedes konnten die im Konzertsaal selten gehörten Darbietungen in den Räumen eines Privathauses stattfinden, wodurch der im Entstehen begriffenen, noch nicht „kapitalkräftigen” Gemeinde Kosten erspart und vor allem der ursprüngliche Charakter Mozartscher Kammermusik als „Hausmusik“ in würdigster Form gewahrt wurde. In einem einführenden Vortrag legte der Leiter der Ortsgruppe, Herr Wilhelm Krämer, Zweck und Ziele der großen internationalen Mozartgemeinde dar und betonte insbesondere, dass kein Totenkult getrieben, sondern mitgewirkt werden solle an den lebendigen, zeitnahen Zielen der großen internationalen Mozartgemeinde, vor allem Mozartsche Musik als kostbarstes Kulturgut der Welt lebendig zu erhalten und ein Band um alle jene zu schlingen, die, ermüdet vom Getriebe unserer sorgenvollen Tage, in der Musik Trost, Freude und Erhebung suchen. Durch den niedrigen Jahresbeitrag (1,50 Mk,) soll über Partei, Stand und Volkszugehörigkeit hinaus der Beitritt jedermann ermöglicht sein.
Als erstes erklangen die Töne des Adagio aus dem D-Dur-Streichquartett, das durch seine getragene Stimmung überleitete zu der machtvollen C-Moll-Fantasie, durch deren dunkle Klänge ein Hauch vom Jenseits, von Ernst und Todesahnung des Meisters hinzittert – meisterhaft gespielt von Frau Gretel Hauser. Zwei Terzette, mit glockenreiner Stimme gesungen von Frau Kohn-Canz und Mitgliedern der holleschen Madrigalvereinigung Stuttgart., den Herren Haager und Zielfleisch, weckten so große Freunde, daß das humoristische Streitlied: „ Liebes Manderl, wo is‘ Banberl…“ wiederholt werden mußte. Das Klarinettenquintett, gespielt von den Herren Hauser, Fenerabend, Frenmann und Schultheiß beschloss in wohlgerundetem Vortrag die musikalischen Darbietungen, derer Auswahl den unbekannteren Mozart zeigen sollte. Reicher Beifall lohnte die Ausübenden, die sich selbstlos in den Dienst der Sache gestellt hatten.

Kammermusikabend der Mozartgemeinde Ludwigsburgs

Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 16.12.1931


Die von einigen Ludwigsburger Musikfreunden im vergangenen Sommer auf Anregung des Mozarteums Salzburg begründete Mozartgemeinde Ludwigsburg berief vor einigen Tagen zum erstenmal ihren Mitgliederkreis zu einem intimen Kammermusikabend, der zu einem Ereignis im musikalischen Leben der Stadt werden sollte. Durch das dankenswerte Entgegenkommen eines Mitgliedes, Frau Lilly Haußer, konnte der festliche Abend in den Räumen ihres Hauses stattfinden, wodurch der würdigste Rahmen gegeben war und der ganze Zauber Mozartscher Kunst als „Hausmusik“ im edelsten Sinne zur Entfaltung kommen konnte. Herr Musikschriftsteller Wilhelm Krämer, der Begründer und Leiter der jungen Ortsgruppe der großen Mozartgemeinde, gab in einem einleitenden Vortrag Aufschluß über die Entstehungsgeschte, die Zwecke und Ziele des Zusammenschlusses: keinen Totenkult treiben zu wollen, sondern Mozartsche Musik als wertvollstes Kulturgut zu pflegen und in lebendiger Wechselwirkung zwischen Auspbenden und Hörern alle jene zu verbinden, die über die Tagesunruhe hinweg Trost, Freude und Erhebung in der Musik suchen. Das Haus-Quartett – die Herren Felix und Otto Haußer, Feyerabend und Schultheiß – leitete mit den getragenen Klängen des „Langsamen Satzes“ aus dem D-Dur-Streichquartett über zur ernsten C-Moll-Phantasie, die in freiem Spiel und tiefer Einführung von Frau Gretel Haußer meisterhaft gespielt wurde. Die „Ludwigsburger Nachtigall“ Frau Kohn-Canz, vereinte sich mit den Herren Hager und Zielfleisch der Stuttgarter Madrigalvereinigung zu ernstem und neckischem Dreigesang, am Flügel von Herrn Krämer begleitet. Das humoristische Terzett mußte nach stürmischen Beifall wiederholt werden. Den Abschluß des auserlesenen Programms bildete das Klarinettenquintett, wobei Musikdirektor Freymann als Meister der Klarinette sich dem Haußer-Quartette zugesellte. Die Künstler, die sich selbstlos in den Dienst nehmen, welch freudiger Widerhall in dem zahlreich erschienenen Teinehmerkreis erweckt war, der sich herausgehoben aus dem Alltagsgetriebe, freudig in Mozarts zusammenschloß. Eine kleine Ausstellung, die das Mitglied Schriftsteller Hanns Wolfgang Rath aus seiner reichen Sammlung zur schwäbischen Geistesgeschichte darbot, gab durch literarische Kostbarkeiten: Erstausgaben illustrierte Luxusausgaben, Originalbriefe usw. die besonderen Beziehungen, die Ludwigsburg durch Mörike mit Mozart verbinden. Eine Mozartlocke mit Echtheitszeugnissen der früheren Besitzer (worunter Ernst Bauer, der Vater Max Bauers) erweckte besonderes Interesse. Alles in allem: ein überaus harmonisch verklungender Abend, der noch lange als Lichtpunkt in der Kette trüber Tage leuchten wird.

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Mia Casa Verdi, sua Casa Verdi

von Ronan Collett (Opernstudio Stuttgart)

Ronan Collett © Reiner Pfisterer

There are moments in one’s career when one feels certain one is witnessing something that will belong to a short but equally special list of ‘legendary performances’. This is what we all yearn for when selecting which concerts to attend; that glorious occasion when one knows almost immediately that each and every utterance of the performer(s) one is witnessing is something that transcends the subjective notions of good, bad, right or wrong, and rests in unequivocal objective fact: a performance of unparalleled beauty that has a kind of primeval truth. It is an emotional and physical reaction on behalf of the listener, as authoritative as it is fleeting. All one knows at the time is that one wouldn’t change a note. This kind of experience is extremely rare and isn’t something that is determined by the price of the ticket, a previous exemplary review, or the fame of the performer or venue. Sometimes these moments arrive in quite unexpected fashion or take time to germinate; a flash of genius in rehearsal that although memorable is not repeated in the actual event. Lisa Vasta’s spellbinding performance of Violetta’s aria from Act III of La Traviata, ‘Addio, del passato’, was without doubt one such ‘legendary performance’. Needless to say, it is a testament to her technique but also to the power of her spirit that her voice is still in near immaculate condition. She filled the Ordenssaal with ease, exhibiting a facility and nobility of vocal production that, were she to begin her career all over again, would surely make her one of the opera world’s biggest stars. Her vocal mastery was all the more special as it had the appearance of being so very simple. As Nadia Boulanger, I think, once said: ‘if it doesn’t feel easy you don’t have the right technique’. Lisa Vasta’s performance was a textbook example of this performing maxim. It was a wonder to behold and a shining example to all of us hoping to thrive in the difficult world of opera.

The other singers from Casa Verdi were every bit as inspiring both in the words of advice they felt able to share and their own superlative performances. Claudio Giombi gave us a masterclass in comic delivery, the very personification of opera buffo. Chitose Matsumoto, the embodiment of elegance and refinement, had the more difficult task of beginning the proceedings, but after a slightly hesitant start won over the audience with her heartfelt rendition of ‘Casta Diva’. Adele Bonay’s melifluous account in a recording of the alto solos in Vivaldi’s Dixit Dominus, was yet another example of the distinguished craft that we were privileged to be in the presence of.

All in all, having the opportunity to sing alongside these great artists and to be able to pick their brains about singing and the opera world in general, was one of those unforgettable experiences that reminds one, when one needs to be reminded, just how incredibly special it is to be able to sing. Thank you to Ludwigsburger Schloßfestspiele, and to Giuseppe Verdi for his ‘greatest work’, Casa Verdi. Surely the spirit of the opera maestro was in attendence during this special concert, holding his guests’ voices aloft.

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Ronan Collett
Ronan Collett, Bariton, geboren in Norwich, Großbritannien. Master an der University of Cambridge, Studien an der Royal Academy of London und Chapelle Musicale Reine Elisabeth Bruxelles. Erste Rollen als Pandolfe (Cendrillon), Nardo (La finta giardiniera), Chao Lin (A Night at the Chinese Opera) und Almaviva (Le nozze di Figaro). Debüt mit Moralès (Carmen) an der English National Opera, 2004 Erstengagement am Edinburgh International Festival (Der Freischütz). Gastierte am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel als Maurevert (Les Huguenots), dirigiert von Marc Minkowski. In Stuttgart u.a. als Douphol (La traviata), Pantalone/Kohlenhändler (Pinocchios Abenteuer), Thierry/Dr. Javelinot/Kerkermeister (Gespräche der Karmeliterinnen) und Masetto (Don Giovanni) zu hören.

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80 Jahre – ein kleiner Geburtstag

Das 80. ist eigentlich ein für uns kleines Jubeljahr. Zwar ist es eine runde Zahl und gehört deshalb gefeiert, aber wurde nicht erst vor fünf Jahren riesengroß der 75. Geburtstag gefeiert? Da bekommt man fast den Eindruck wir wollen nur feiern und nicht mehr arbeiten. Alle fünf Jahre ein Fest ist doch schön – oder ist es übertrieben? Unsere Intendanten haben beschlossen 80 Jahre ist ein stolzes Alter, das es zu feiern gilt, jedoch nur an einem Abend, den aber richtig. Heute Abend findet unser Festkonzert statt und das wird wahrlich festlich.

Aber wie richtet man die passende Veranstaltung aus?

Es bietet es sich an, diejenigen den Abend gestalten zu lassen, die selbst einen Grund zu feiern haben: Das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspielen wurde 1972 von Wolfgang Gönnenwein gegründet und feiert somit dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen.

Unser Orchester wird heute Abend unter der musikalischen Leitung von unserem Chefdirigent Michael Hofstetter und gemeinsam mit dem Chor der Schlossfestspiele sowie den wunderbaren Solisten Kirsten Blaise (Sopran), Bernhard Berchtold (Tenor) und Josef Wagner (Bass) Haydns Geschichte der Jahreszeiten erzählen. Von der Vorfrühlingsstimmung zu Beginn über das Sommergewitter bis zum Blick auf das Jenseits am Ende; vom Pfeifen des Bauern beim Pflügen über die Federwildjagd bis zur »besoffenen Fuge« (Haydn) zum Abschluss des Winzerchores.

Schon E.T.A. Hoffmann sagte: »Es gibt kein herrlicheres, farbenreicheres Bild des ganzen menschlichen Lebens, als wie es der Meister in den Jahreszeiten musikalisch aufgestellt hat.«

Wir freuen uns, dass Ihr alle so zahlreich mit uns feiern wollt, schließlich ist die Veranstaltung heute Abend ausverkauft. Wir bedanken uns bei all den Festspielbesuchern herzlich, die das Bestehen der Ludwigsburger Schlossfestspiele überhaupt möglich machen!

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Traumhafte Ausflüge in die Welt der großen Songwriter

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass die »Song Conversation« mein absolutes Lieblings-Format bei den Schlossfestspielen ist – ich habe an anderer Stelle ja schon verschiedentlich geschwärmt. Als Jazz-Fan freue ich mich natürlich über die großartigen Künstler, die zu Gast sind – in den letzten beiden Jahre waren es Brad Mehldau, Bill Frisell, Joe Henry, Gianmaria Testa, Paolo Fresu und Nguyên Lê. Aber letztendlich ist es vor allem das herausfordernde Format, das zu bewegenden, unvergesslichen Konzertmomenten führt. Von Thomas Wördehoff gebeten, sich mit prägenden Momenten ihrer eigenen musikalischen Biographie auseinanderzusetzen und sich in einer musikalischen Konversation die Bälle hin und her zu spielen, entstehen in den jeweiligen Zweier-Konstellationen wirkliche musikalische Überraschungen.

Groß war die Vorfreude auch im Dezember, als Thomas Wördehoff uns die Namen der diesjährigen Protagonisten verraten hat: der norwegische Pianist Bugge Wesseltoft, der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel und der tunesische Sänger und Oud-Spieler Dhafer Youssef – allesamt wahre Grenzgänger, die dem Jazz in den vergangenen Jahren auf verschiedene Art und Weise spannende neue Impulse gegeben haben. Und so war die spannende Frage die gleiche wie bei allen Song Conversations: was kommt wohl dieses Mal heraus? Was sind ihre gemeinsamen Einflüsse? Welche Musik hat sie geprägt? Was bekommen wir zu hören?

Muthspiel und Wesseltoft © Reiner Pfisterer

Eine erste Antwort auf diese Frage lieferte die erste »Song Conversation« am vergangenen Mittwoch, bei der sich Bugge Wesseltoft und Wolfgang Muthspiel musikalisch begegnet sind. Und um das Fazit vorweg zu nehmen: dieses Konzert war großartig!!! Die beiden Herren haben das Motto »Song Conversation« wirklich wörtlich genommen – und so standen auf der Setlist einige der ganz großen Songwriter.

Schwelgerisch schön begannen die beiden den ersten Teil mit zwei Songs, die sich Bugge gewünscht hatte:  Joni Mitchells »Amelia«, einer wundervollen Hommage an die amerikanische Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart und James Taylors »Fire and Rain«, einem der großen Singer-Songwriter-Hits aus der 70ern. Von Beginn an merkte man, wie viel Spaß die beiden Musiker daran hatten, Songs zu interpretieren, die sie zwar seit vielen Jahren begleiten, die sie aber noch nie auf die Bühne gebracht haben. Gewürzt mit ausgedehnten, traumhaften Improvisationen der beiden, gewannen die Songs eine wahrlich neue Dimension. Bugges melodiös-verträumtes Klavierspiel gepaart mit Wolfgangs wunderbaren Jazz-Harmonien und Melodielinien mischten sich vortrefflich!

Einige Jahrzehnte zurück ging es mit dem nächsten Song im Set – dem »Liebeslied« aus der berühmten Dreigroschenoper, das in jazzigere Gefilde führte, bevor Wolfgang Muthspiel mit »The Same One« einen eigenen Song aus seinem brandaktuellen neuen Album »Vienna Naked« zum besten gab. Muthspiel wagt auf dieser CD einen wirklich mutigen Schritt und präsentiert sich erstmals in seiner langen Karriere nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Sänger – mit vierzehn selbst komponierten Songs. Und diese CD könnte durchaus auch »Muthspiel naked« heißen, denn dieser präsentiert sich darauf ohne Netz und doppelten Boden: in bester Singer-Songwriter-Manier nur mit Stimme und Gitarre (zumeist nur die Akustische). Entstanden sind fragile, wunderbare Songs, die zum Schwelgen einladen. Muthspiel liefert dabei ein passables Gesangs-Debüt ab und zeigt seine Stimme in den verschiedensten Facetten – mal als kräftige Bruststimme, im nächsten Moment als zarte, fast zerbrechliche Kopfstimme. Gepaart mit seinem grandiosen Gitarrenspiel ist Muthspiel hier ein schönes, ungewöhnliches Album gelungen. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung des neu entdeckten Singer-Songwriter-Talents Wolfgang Muthspiel weitergeht!

Aber zurück zum Konzertabend. Zum Ende der ersten Hälfte nahmen sich die beiden einen unsterblichen Jazzklassiker vor: Dave Brubecks »Take Five«. “Langweilig!” “Tausend Mal gehört!” mögen Sie jetzt denken. Aber weit gefehlt: die Version, die Muthspiel und Wesseltoft auf die Bühne des Ordenssaals gezaubert haben, sprühte vor Frische, Witz und Spielfreude. Wesseltoft präparierte mit schelmischem Gesicht seinen Flügel mit Notenblättern und seiner eigenen CD, womit er spannende Klangeffekte erzeugte. Und Muthspiel entlockte seiner Gitarre allerhand Klangwelten: eben noch warme Jazzgitarre, im nächsten Moment ein wummernder Kontrabass und kurz darauf perkussive Klänge, die dem legendären Schlagzeugsolo von Joe Morello alle Ehre gemacht haben. Ein so erfrischendes »Take Five« habe ich lange lange nicht gehört! Und so entließen die beiden Musiker das Publikum in die Pause – und der ein oder andere Zuhörer wandelte beschwingt und mit dem eben gehörten Ohrwurm auf den Lippen gut gelaunt Richtung Bar.

Wesseltoft & Muthspiel bei der Probe © Reiner Pfisterer

“Was mochte im zweiten Teil wohl noch folgen?” fragte man sich in der Pause. “Welche bekannten Melodien bekommen wir noch zu hören?” Eröffnet wurde die zweite Konzerthälfte mit einem weiteren Joni Mitchell-Song, dem wundervoll beschwingten »In France They Kiss On Main Street«- ganz offensichtlich einem weiteren Wunschsong von Bugge, der voll in seinem Element war. Danach präsentierte sich jeder der Musiker mit einem solistischen Beitrag. Bugge spielte ein wunderschön verträumtes »How High The Moon« – ein Jazz-Standard, der auch auf seiner wundervollen aktuellen CD »Songs« zu finden ist. Anschließend glänzte Muthspiel bei seinem südamerikanisch-temperamentvollen Solostück, das sich nach dezentem Beginn zu einem wirklich furiosen Finale aufschaukelte, bei dem Muthspiel  (Loop-Pedal sei Dank)  Stimme für Stimme übereinander legte und am Ende sozusagen mit sich selbst als Backing Band ein Solo darbot, das einem die Ohren schlackerten.

Anschließend widmeten sich die beiden wieder einem ganz großen Songwriter und spielten »Come Down in Time«, einen wundervollen, wenig gespielten Song von Elton John. Danach erhob Muthspiel wieder seine Gesangsstimme für den Titelsong seines »Vienna Naked«-Albums, in dem er seine aktuelle Wahlheimat Wien in dunklen Worten beschreibt. “This city is grumpy and cold” heißt es. Es ist ein tristes aber melancholisch-schönes Bild, dass Muthspiel da jenseits von aller Postkarten-Romantik von Wien zeichnet.

“I’m not going to tell you what Song we will play next – because you all know it!” kündigt Bugge Wesseltoft den letzten Song des Abends an. Und recht hat er – denn wirklich jeder kennt diesen Song: »Something«, die wunderschöne George Harrison-Ballade vom Beatles-Album »Abbey Road«. Diese musikalische Liebeserklärung kleiden Muthspiel und Wesseltoft in ein traumhaft schönes Jazzgewand – man konnte nicht anders als einfach die Augen zu schließen und sich einfach treiben zu lassen.

Natürlich ließ das Publikum die beiden Musiker nicht ohne eine Zugabe von der Bühne. Und so gab es noch ein Gute-Nacht-Lied als Nachschlag. Diesmal jedoch nicht von einem Singer-Songwriter, sondern von Jan Garbarek, der, wie Bugge Wesseltoft in seiner Moderation sagt, Norwegen auf die Jazz-Landkarte  gesetzt und ihn maßgeblich beeinflusst hat.

Mit dieser getragenen, verträumten Garbarek-Komposition entließen und die beiden in die Nacht – nicht ohne darauf zu verweisen, dass man sie ja noch in zwei weiteren Song Conversations im Juni sehen kann – dann zusammen mit Dhafer Youssef. Und ich bin sehr gespannt, was in diesen beiden Konzerten passieren wird…

Für alle, die noch mal die Songs des Abends Revue passieren lassen wollen – Wolfgang Muthspiels Zusammenstellung der Programmabfolge

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C(H)ŒURS

Heute wird Herr Wördehoff in der Programmvorstellung, über sein, ich würde fast behaupten, liebstes Projekt der Saison 2012 erzählen: C(H)ŒURS

Er erklärt das zeitgenössische Werk und beschreibt es als ein Abend, der sich um uns dreht und um das Europa in dem wir leben. Wördehoff verrät wie das Stück ihm als alten »Verdianer« Wagner zum ersten Mal näher bringen konnte und wie stolz er darauf ist, dass wir Koproduzenten sind und es deutschlandweit nur bei uns zu sehen sein wird.

Termine:
8. JUNI | 20:00 Uhr | Forum am Schlosspark, Ludwigsburg
9. JUNI | 20:00 Uhr | Forum am Schlosspark, Ludwigsburg

Hier alle Informationen zu C(H)ŒURS

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Tiefenentspannung in den »Vexations«

von Florian Zeuner

Quälerei? Schinderei? Mitnichten! Es ist Sonntag, der 13. Mai um 17 Uhr als ich gut gestärkt mit einem interessanten Buch in der Tasche (Rüdiger Schaper – Karl May: Untertan, Hochstapler, Übermensch) Richtung Ordenskapelle des Residenzschlosses ziehe. Seit 8 Uhr am Morgen spielen hier zwei wunderbare Pianisten eines der aufregendsten Stücke der Musikgeschichte: Erik Saties »Vexations«. 840 Wiederholungen eines Themas mit zwei Variationen gilt es innerhalb von 16 Stunden zu absolvieren.

Als ich den Schlosshof nach 16 Minuten Fußmarsch bei strahlendem Sonnenschein betrete, kommen in mir aber Zweifel auf. Will ich mich wirklich über Stunden in die kalte Kapelle setzen, um schier endlos die immergleiche Minute Musik zu hören? Einmal eingekehrt ist dann aber jeder Zweifel schnell verflogen. Die meditativen Klänge Saties, exzellent interpretiert von Neus Estarellas Caldéron und Joachim Bilek, streicheln meine Seele vom ersten Moment. Es gelingt mir mich völlig fallen zu lassen. Bis 22.30 Uhr harre ich mit kleineren Pausen (jeder Mensch hat Bedürfnisse) und einem größeren Ausflug (beeindruckend: Igor Levits Rzewski-Interpretation) in der Ordenskapelle aus. Und bereue, nicht schon früher gekommen zu sein.

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